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 Aktuell 

Chance Migrationspastoral

Medienmitteilung vom 25. März 2019 zum Bericht «Migrantenpastoral in der Schweiz. Auswertung einer Erhebung der Ist-Situation und ihrer Beurteilung».

Rund ein Drittel der Mitglieder der katholischen Kirche in der Schweiz haben Migrationshintergrund und prägen das kirchliche Leben auf unterschiedlichste Art mit. Um der Mehrsprachigkeit und der kulturellen Vielfalt Rechnung zu tragen, stehen etwa 110 Missionen oder Seelsorgestellen für ihre pastorale Betreuung zur Verfügung. Jährlich werden rund 21'000 Gottesdienste in über 20 Fremdsprachen und Riten gefeiert. Die der Migrationspastoral zugewiesenen finanziellen Mittel belaufen sich auf rund 35 Millionen Franken jährlich.

Diese und viele andere Zahlen, Daten und Informationen enthält der Bericht «Migrantenpastoral in der Schweiz», der nach seiner Beratung durch die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Entstanden ist der Bericht im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von SBK und RKZ zur Zukunft der Migrantenpastoral. Er analysiert die Ist-Situation und zieht daraus Schlussfolgerungen für folgende zentrale Fragestellungen:

  • Vielfalt der pastoralen Wirklichkeit: Problem oder Chance?
  • Zukunftsmodelle und Entwicklungspfade der Missionen
  • Sensibilisierung der in der herkömmlichen Seelsorge und in der Migrantenpastoral Tätigen
  • Fokussierung des Auftrags der Dienststelle migratio auf pastorale Aufgaben
  • Stärkung der Subsidiarität in Finanz- und Administrationsaufgaben und gerechtere Verteilung der Mittel.

Verfasst wurde der Bericht von Regula Ruflin und Samuel Wetz (beide socialdesign ag), Patrick Renz (Nationaldirektor migratio, SBK) und Daniel Kosch (Generalsekretär, RKZ). Begleitet wurde ihre Arbeit von einer Steuerungsgruppe. Dieser gehörten Seelsorgende aus der Migrantenpastoral, Mitglieder staatskirchenrechtlicher Behörden, Mitarbeitende von Bistumsleitungen sowie Vertreter von SBK und RKZ. Sie stand unter der Leitung von Bischof Jean-Marie Lovey, der in der SBK für den Bereich Migration zuständig ist.

Angesichts des Weggangs von Patrick Renz per 31. März 2019 und der Tatsache, dass der bisherige Verlauf des Projektes Anpassungen der Planung erforderten, sind SBK und RKZ übereingekommen, die Steuerungsgruppe aufzulösen. Die noch zu klärenden Fragen sollen auf möglichst effiziente Art bearbeitet und der Einbezug der Betroffenen auf andere Weise sichergestellt werden.

Am Ende der letzten Sitzung der Steuergruppe vom 13. März 2019 dankte der zuständige Bischof, Jean-Marie Lovey, allen Beteiligten und insbesondere dem scheidenden Nationaldirektor, Patrick Renz. Aus seiner Sicht sei das wichtigste Ergebnis der geleisteten Arbeit, «bewusst gemacht und aufgezeigt zu haben, dass die Beteiligung vieler Migrantinnen und Migranten am Leben der Kirche in der Schweiz viel zu ihrer Lebendigkeit, ihrer Vielfalt und zur Erfahrbarkeit von Weltkirche vor Ort beiträgt». Bischof Lovey schloss mit den Worten: «Wenn ein vermehrtes Miteinander und wertschätzenderes Nebeneinander von Einheimischen und Zugewanderten gelingt, ist die Migrationspastoral für die katholische Kirche in der Schweiz eine grosse Chance.»

Ruflin, Regula; Wetz, Samuel; Renz, Patrick; Kosch, Daniel (2018). Migrantenpastoral in der Schweiz. Auswertung einer Erhebung der Ist-Situation und ihrer Beurteilung. socialdesign ag im Auftrag des Kooperationsrates von SBK und RKZ, Bern.

Download Bericht



Die Menschen ins Zentrum stellen

50 Jahre Kirchengeschichte in der Schweiz

Die katholische Kirche in der Schweiz blickt auf eine bewegte Geschichte seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zurück. Aufbrüche und Abbrüche, Hoffnungen und Fehleinschätzungen lagen und liegen nah beieinander. Die letzten 50 Jahre sind eine Zeit der immer neuen Wegsuche der Kirche an der Seite der Menschen.

Das Interview-Buch «Die Menschen ins Zentrum stellen» gibt einen lebendigen Einblick in diese jüngste Schweizer Kirchengeschichte. Das Buch erzählt die nachkonziliare Geschichte der katholischen Kirche in der Schweiz aus der Sicht des SPI. Als Forschungs- und Beratungsinstitut der katholischen Kirche fühlt es seit 50 Jahren den Puls der Kirche in der Schweiz und unterstützt deren Planungs- und Entwicklungsprozesse.

Die Menschen ins Zentrum stellen. 50 Jahr SPI. Forschen, Beraten und Planen für die katholische Kirche in der Schweiz, Hg.: Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut, SPI, St. Gallen, Edition SPI, 2019, 148 Seiten.

Zur Buchbestellung geht es hier.



«Wenn nötig, kritisiere ich meinen Papst»

Interview mit Luc Humbel auf dem Nachrichtendienst von bluewin.ch.

Missbrauchskandale, Frauenfeindlichkeit und Kirchenaustritte – die katholische Kirche ist in Schwierigkeiten. In der Bluewin-Rubrik «Jetzt mal ehrlich» spricht Luc Humbel, Präsident der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), Klartext. zum Interview auf bluewin.ch



www.kirchensteuer-sei-dank.ch

Informationsangebot zur Verwendung von Kirchensteuern des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen.

Der Titel der neuen Website, aufgeschaltet vom Katholischen Konfessionsteil des Kantons St.Gallen, macht deutlich: Dank Kirchensteuern kann die Kirche wichtige Aufgaben in den Bereichen Seelsorge und Soziales, Kultur oder Bildung leisten. Was alles mit Kirchensteuern finanziert wird, ist selbst vielen Katholikinnen und Katholiken nicht bekannt, das wird sich durch dieses neue Informations-Angebot ändern.

Der grösste Teil der Kirchensteuer-Gelder (38 Prozent) fliesst direkt in das kirchliche Seelsorge-Angebot und in die katholischen Hilfswerke wie beispielsweise die Caritas St.Gallen-Appenzell. 14 Prozent fördern das Pfarreileben und lokale Vereine wie Chöre oder Jugendorganisationen. 17 Prozent helfen dabei, junge Menschen in katholischen Schulen auszubilden sowie ein breites Erwachsenenbildungs-Angebot zu ermöglichen. Kirchen und Pfarreizentren dienen kirchlichen wie gesellschaftlichen Zwecken, für ihren Betrieb und Unterhalt werden rund 22 Prozent aufgewendet. Damit alles reibungslos funktioniert und das Geld da ankommt, wo es benötigt wird, fliesst ein kleiner Teil (9 Prozent) in die Verwaltung. Hingewiesen wird auf der Website zusätzlich darauf, dass keine Kirchensteuer-Gelder an den Vatikan gehen, der „Peterspfennig“ für den Papst stammt jeweils aus einer Kollekte, die jedes Jahr in den Kirchen des Bistums St.Gallen aufgenommen wird.

Auf der Website www.kirchensteuer-sei-dank.ch gibt es die Vielfalt der kirchlichen Aktivitäten zu entdecken. Die Seite wird weiter ausgebaut und ergänzt.



© pixabay

«Wir stehen in der Pflicht»

SBK und die Vereinigung der höheren Ordensobern verabschieden per 1. März 2019 neue Auflage der Richtlinien zu sexuellen Übergriffen.

Verschärfung der Anzeigepflicht

Die Richtlinien sahen bis anhin vor, dass das erwachsene Opfer einerseits in jedem Fall auf die Möglichkeit einer Strafanzeige nach staatlichem Recht hinzuweisen war und es anderseits gegenüber den kirchlichen Amtsträgern Einspruch gegen die Erstattung einer Strafanzeige erheben konnte. Künftig soll das erwachsene Opfer nicht mehr über ein «Vetorecht» verfügen. Neu müssen Ordinarien (d.h. Diözesanbischöfe, General- oder Bischofsvikare sowie die höheren Ordensoberen) in jedem Fall Anzeige an die staatlichen Strafverfolgungsbehörden erstatten, wenn sie Kenntnis von einem Offizialdelikt erhalten. Die bisherige Regelung war aufgrund von Empfehlungen von Opfertherapeutinnen und -therapeuten entstanden, welche ein «Vetorecht» für die Opfer gefordert hatten. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass wenn keine Anzeigepflicht existiert, die Vertuschungsgefahr bestehen bleibt sowie die Gefährdung von potentiellen künftigen Opfern.

Prävention

Das «Fachgremium für sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» hat in seinem Anliegen, die Prävention systematischer anzugehen, eine Serie von konkreten Massnahmen aufgegriffen, welche zwar von einzelnen Diözesen und Ordensgemeinschaften bereits angewendet werden, mit der neuen Auflage der Richtlinien jedoch für alle als verbindlich gelten. So soll z.B. jede Diözese und jede Ordens- und andere kirchliche Gemeinschaft über einen Präventionsbeauftragten und ein eigenes Präventionskonzept verfügen, welches die Grundkriterien für eine adäquate und professionelle Wahrnehmung von Nähe und Distanz und für einen respektvollen sowie achtsamen gegenseitigen Umgang festlegt. Basierend auf dem Präventionskonzept sollen in einem nächsten Schritt Verhaltenskodizes und Standards erarbeitet werden.

Mitverantwortung der staatskirchenrechtlichen Behörden

Mit der neuen Auflage der Richtlinien sind auch bei der Anstellung und Vertragsgestaltung Änderungen vorgesehen: Da häufig die staatskirchenrechtlichen Einrichtungen als Arbeitgeber auftreten, setzen sich die Bistumsleitungen dafür ein, dass die Präventionsmassnahmen auch von den verschiedenen staatskirchenrechtlichen Organisationen einvernehmlich und verbindlich mitgetragen werden. Konkret soll erreicht werden, dass bei jeder Anstellung im kirchlichen Umfeld ein Privatauszug und ein Sonderprivatauszug aus dem Strafregister vorgelegt werden müssen und dass sich die arbeitsnehmende Person bereit erklärt, die Richtlinien einzuhalten. Liegen die erwähnten Auszüge bei bereits angestellten Personen mit missio canonica noch nicht vor, werden diese eingefordert. Ferner soll jedes Mal, wenn eine in der Kirche tätige Person sich neu einem Team anschliesst, von allen Teammitgliedern eine Vereinbarung zur gegenseitigen Verpflichtung betreffend Wahrnehmung von Nähe und Distanz unterzeichnet werden.

Die überarbeiteten Richtlinien treten per 1. März 2019 in Kraft.

Richtlinien der SBK und VOS'USM - 2019, 4. Auflage

Interview mit Joseph Bonnemain, Sekretär des Fachgremiums Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld der SBK



Kursangebot Kirchenmanagement 2019/20

Ausschreibung Basis-Lehrgang Kirchenmanagement

Die gesellschaftlichen Veränderungen und die knapper werdenden Ressourcen zwingen die Kirchen zu unternehmerischem Handeln. Wie lässt sich kirchliche Arbeit so gestalten, dass sie den Auftrag sachgerecht wahrnimmt und so sinnvoll wie möglich umsetzt? Diese Frage stellt sich immer dringender und das Interesse an Kirchenmanagement nimmt zu. Aus diesem Grund bietet die RKZ in Zusammenarbeit mit dem Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg 2019/2020 wiederum einen Basis-Lehrgang Kirchenmanagement an.

Der Basis-Lehrgang vermittelt Kenntnisse, Praxiserfahrungen und Instrumente für ein modernes Management in kirchlichen Einrichtungen aller Art. Er richtet sich an Personen, die in kirchlichen oder staatskirchenrechtlichen Strukturen Führungsaufgaben wahrnehmen, z.B. in grösseren Pfarreien oder Pastoralräumen, auf kantonalkirchlicher und diözesaner Ebene sowie in kirchlichen Fachstellen. Er dauert insgesamt fünf Tage und wird in zwei Modulen von je 2.5 Tagen durchgeführt

Der zweiteilige Basis-Lehrgang 2019/2020 findet vom 24. bis 26. Oktober 2019 in Wislikofen (AG) und vom 23. bis 25. Januar 2020 am Schwarzsee (FR) statt.

Kursprospekt Basis-Lehrgang Kirchenmanagement 2019/20

Anmeldung bis am 15. Juni 2019 unter: www.rkz.ch/basislehrgang2019



Neues Genfer Laizität-Gesetz

Genfer Bevölkerung stimmt dem Gesetz über die Laizität zu.

Am 10. Februar hat die Genfer Bevölkerung dem umstrittenen Gesetz über die Laizität mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 55% zugestimmt. Gegen das Gesetz bzw. einzelne Bestimmungen desselben wurden jedoch bereits Beschwerden erhoben, so dass nun die Gerichte darüber entscheiden. Ob der Staatsrat das Gesetz dennoch (teilweise) in Kraft setzt, ist noch offen. Besonders umstritten ist die Bestimmung, dass Staatsangestellte und politische Mandatsträger (während den Beratungen in den Ratssitzungen) keine äusseren Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit (Kopftuch, Kippa, sichtbares Kreuz) tragen dürfen (Art. 3 Abs. 5).

Aus Sicht der Kirchen, die sich für das Gesetz eingesetzt haben, sind folgende Regelungen bemerkenswert:

  • Freiwilliger Beitrag an die Religionsgemeinschaft: Das System des freiwilligen, vom Staat erhobenen Kirchenbeitrags wird beibehalten und auf weitere Religionsgemeinschaften ausgeweitet, sofern diese eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, unter anderem: Respektierung des Religionsfriedens, der Rechtsordnung und insbesondere der Glaubens- und Gewissensfreiheit, Präsenz im Kanton seit 10 Jahren, finanzielle Transparenz und Offenlegung von Geldgebern, deren Beitrag 5% des Gesamtertrags übersteigt, Abgeltung des staatlichen Erhebungsaufwandes. Der Beitrag darf 1.5% des steuerbaren Einkommens nicht übersteigen.
  • Verbot religiöser Manifestationen auf öffentlichem Grund (mit Ausnahmeklausel)
  • Recht des Staates, das Tragen religiöser Symbole in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen befristet zu verbieten.
  • Unentgeltliche philosophische, spirituelle oder religiöse Begleitung von Menschen in Spitälern, Heimen und ähnlichen Einrichtungen durch von der zuständigen Autorität auf der Grundlage eines Reglements zugelassene Personen. Organisationen, die solche Begleitung anbieten, können vom Kanton und von den Gemeinden unterstützt werden
  • Der Staat kann Vorhaben unterstützen, die dem religiösen Frieden und dem interreligiösen Dialog dienen.
  • Die öffentlichen Schulen müssen einen religionskundlichen Unterricht anbieten, der die Verschiedenheit der Religionen aufzeigt. Dieser wird durch Lehrpersonen erteilt, die die religiöse Neutralität respektieren.

Mit diesem Gesetz konkretisiert der Kanton Genf sein Verständnis von Laizität positiv und öffnet das bisher den Kirchen vorbehaltene System des freiwilligen, aber staatlich erhobenen Kirchenbeitrags für alle Religionsgemeinschaften, die den Anforderungen genügen.

Link zum neuen Gesetz



Freiheit und Religion

Publikation und Veranstaltungshinweis

Wer für «Religionsfreiheit» eintritt, darf mit Zustimmung von (fast) allen Seiten rechnen. Aber bei näherer Betrachtung erweist sich das Verhältnis von Freiheit und Religion als vielschichtig. Der Staat soll und will beides garantieren: Einerseits die Freiheit des Glaubens und Gewissens, inklusive der Freiheit, der eigenen Glaubensüberzeugung Ausdruck zu verleihen. Und anderseits die Freiheit von Religion, also das Recht, ohne Religion zu leben und die religiöse Neutralität des Staates, die es ihm verbietet, für eine bestimmte Religion Partei zu ergreifen. Hinzu kommt die Problematik der Freiheit innerhalb der Religionsgemeinschaften: Wie weit sind auch sie zur Wahrung der Freiheit ihrer Mitglieder verpflichtet? Und wie weit müssen sie der Tatsache Rechnung tragen, dass sie in einer freiheitlichen Gesellschaft leben, in der niemand diskriminiert oder gegen seinen Willen zu religiösen Handlungen gezwungen werden darf?

Mit dieser spannenden, aktuellen und vielschichtigen Fragestellung befasst sich eine neue Publikation mit dem Titel «Religionsfreiheit im säkularen Staat. Aktuelle Auslegungsfragen in der Schweiz, in Deutschland und weltweit» statt. Zu deren Herausgebern gehört auch Adrian Loretan, dessen Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Luzern auch von der RKZ unterstützt wird.

Julia Hänni, Sebastian Heselhaus, Adrian Loretan (Hrsg.); Religionsfreiheit im säkularen Staat, Aktuelle Auslegungsfragen in der Schweiz, in Deutschland und weltweit; 220 Seiten; Zürich/St. Gallen 2019.

Veranstaltungshinweis

Am Mittwoch 15. Mai 2019, 17.15 Uhr findet an der Universität Luzern ein Abendgespräch zum Thema «Freiheit und Religion» statt, das ein breites interessiertes Publikum anspricht. Zur Sprache kommen das staatliche Recht, das Kirchenrecht sowie das islamische Recht.

Flyer Abendgespräch zu Freiheit und Religion



Verändert sich mit der Gesellschaft auch das Recht?

Online-Veröffentlichung von Vorstössen mit Bezug zum Staatskirchen- und Religionsrecht

Unter der Leitung von Prof. René Pahud de Mortanges, Professor für Rechtsgeschichte und Kirchenrecht der Universität Freiburg, wurde eine online-Dokumentation über Initiativen, Gesetzgebungsprojekte und Berichte zu kirchlichen und religiösen Rechten erstellt. Diese nicht erschöpfende Sammlung zeigt Trends und Entwicklungen der letzten Jahre bei parlamentarischen Vorstössen im Zusammenhang mit Religion.

Sammlung von Vorstössen mit Bezug zum Staatskirchen- und Religionsrecht



Photo by Priscilla du Preez

Bundesgerichtsentscheid im Fall «Adebar»

Das Bundesgericht stützt den Entscheid der Bündner Landeskirche, die Beratungsstelle Adebar in Chur finanziell zu unterstützen.

Hintergrund

Im Jahr 2012 gelangte der Generalvikar des Bistums Chur, Martin Grichting, mit einem Vorstoss an das Corpus Catholicum, die Legislative der römisch-katholischen Landeskirche Graubünden. Er beantragte, der Verein «adebar» (Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft Graubunden) sei von der Landeskirche künftig nicht mehr finanziell zu unterstützen.

Die Verwaltungskommission (Exekutive) der Landeskirche beantragte dem Corpus Catholicum darauf hin, die Unterstützung in der bisherigen Höhe auch 2012/2013 ins Budget aufzunehmen. Aber sie knüpfte die Auszahlung des Beitrags an die Bedingung, diese Geldmittel seien unter Berücksichtigung der Gesetze der katholischen Kirche zu verwenden. Damit werde verhindert, dass der Beitrag für Beratertätigkeiten über Abtreibungen oder die sogenannte Pille danach verwendet werde. Das Corpus Catholicum stimmte diesem Antrag zu.

Das Bistum Chur und Generalvikar Martin Grichting gelangten an die Rekurskommission und in einem weiteren Schritt an das Verwaltungsgericht mit dem Antrag, diesen Beitragsbeschluss aufzuheben. Nach mehreren Zwischenentscheiden wies das Verwaltungsgericht Graubünden die Beschwerde im Dezember 2017 ab. Der Entscheid wurde an das Bundesgericht weitergezogen.

Entscheid des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2018

Mit seinem am 17. Dezember 2018 gefällten und am 30. Januar 2019 veröffentlichten Urteil wird die Beschwerde abgewiesen. In der Urteilsbegründung wird festgehalten, dass der Entscheid zur Unterstützung des Vereins «adebar» durch die Landeskirche Graubünden das Landeskirchenrecht nicht willkürlich anwende und dem Anliegen des Bistums entspreche, landeskirchliche Gelder nicht für Zwecke einzusetzen, die mit den Lehren der römisch-katholischen Kirche unvereinbar sind. Auch «eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit» sei «nicht auszumachen».

Stellungnahme der Verwaltungskommission

In ihrer Medienmitteilung begrüsste die Verwaltungskommission (Exekutive) der römisch-katholischen Landeskirche Graubünden diesen Entscheid. Über den Einzelfall hinaus zeige er auf, dass die Landeskirche berechtigt ist, auf der Basis der rechtlichen Vorgaben und demokratischer Beschlüsse des Corpus Catholicum Beiträge an soziale und karitative Institutionen zu leisten, die nach Auffassung der seiner Mitglieder dem Auftrag der Landeskirche entsprechen. Wie im vorliegenden Fall werden die Organe der Landeskirche bei Bedarf auch in Zukunft sicherstellen, dass diese Beiträge im Sinn der Botschaft und der Lehre der römisch-katholischen Kirche verwendet werden.

Stellungnahme des Bistums Chur

Kritisch reagierte das Bistum in seiner Stellungnahme. Das Urteil zeige auf, dass die offiziellen Instanzen der katholischen Kirche in dieser Frage bloss die Rolle als «Zuschauerin» zukommt, die in Kauf nehmen muss, dass Kirchensteuermittel «gegen ihre Glaubensvorgaben» für «kirchenferne oder kirchenfeindliche Aktivitäten eingesetzt werden». Die Landeskirchen dürften «einer eigenen Agenda folgen» und sich trotzdem katholisch nennen: «Gegen diese Täuschung und den Missbrauch ihres Namens könne die katholische Kirche in der Schweiz nichts tun».

Beurteilung aus Sicht RKZ

Das Bundesgerichtsurteil schützt zwar die demokratische Entscheidung des Kirchenparlaments und stellt klar, dass diese nicht durch bischöfliche Vorgaben «ausgehebelt» werden kann. Es gibt der Landeskirche aber keineswegs einen Freipass, ihre Mittel nach Belieben einzusetzen und damit «zu tun was sie will». Vielmehr ist sie verpflichtet, sich an die gesetzlichen Grundlagen zu halten, zu denen auch die kirchliche Zweckausrichtung der Landeskirche gehört.

Die Beurteilung des Bundesgerichtsentscheids durch das Bistum ist daher sehr tendenziös. Denn die Landeskirche hat mit der negativen Zweckbindung des Beitrags an «Adebar» dafür gesorgt, dass einerseits das legitime Anliegen der Beratungsstelle unterstützt wird, aber gleichzeitig vermieden, dass «kirchenfeindliche Aktivitäten» unterstützt werden.

Die Auffassung der Churer Bistumsleitung, dass die Körperschaften die Bezeichnung «katholisch» missbräuchlich für sich beanspruchen und demnach nicht Teil der Kirche sind, ist kaum mit dem «Vademecum» und auch nicht mit der ausdrücklichen «Anerkennung» der Körperschaften und ihres Zwecks in der Zusammenarbeitsvereinbarung SBK-RKZ vereinbar. Und der Hinweis des Bistums, die Kirchensteuerzahlenden müssten damit rechnen, dass ihre Steuern nicht im Sinn der Kirche verwendet würden, kommt einer indirekten Aufforderung zum partiellen Kirchenaustritt nahe. Zum Einvernehmen und zu einer guten Zusammenarbeit im dualen System tragen solche Aussagen nicht bei. Die RKZ ist daher mit der Bitte an die SBK gelangt, sich mit dieser Thematik zu befassen.

Bundesgerichtsurteil
Medienmitteilung der Landeskirche Graubünden
Medienmitteilung des Bistums Chur 



Religionsrecht im interreligiösen Vergleich

Eine Einführung in das jüdische, christliche und islamische Recht

Zusammenarbeit und Dialog zwischen den Konfessionen (Oekumene) und zwischen den Religionsgemeinschaften (interreligiöser Dialog) spielen in Zeiten religiöser Vielfalt zunehmend eine wichtige Rolle. Je intensiver diese Zusammenarbeit wird, desto wichtiger ist das Verständnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Diese betreffen nicht nur das Glaubensverständnis oder das äussere Erscheinungsbild der Kirchen und Religionsgemeinschaften, sondern auch ihre Strukturen und ihr Recht. Aus diesem Grund ist die soeben in zweiter Auflage erschienene Einführung in das jüdische, christliche und islamische Recht nicht nur für Juristinnen und Juristen interessant. Sie dient auch interreligiösen „runden Tischen“, Mitgliedern von kirchlichen, religiösen oder staatlichen Leitungsgremien, die interreligiös engagiert sind, sowie Menschen, die in interreligiösen Vorhaben engagiert sind oder die aktuelle Religionslandschaft besser verstehen möchten. Geschrieben sind die Beiträge von Fachleuten, allerdings in einer Sprache und in einem Umfang, die für interessierte Laien zumutbar und zugänglich sind. Für katholische Leserinnen und Leser ist der Beitrag von Prof. René Pahud de Mortanges (Freiburg/Schweiz) auch deshalb interessant, weil er auf 100 Seiten das katholische Kirchenrecht vorstellt, das selbst engagierten Katholiken oft kaum bekannt ist. Das Buch eignet sich als Nachschlagewerk und ist ein empfehlenswerter Einstieg in eine Materie, die spannender und lebensnäher ist, als es der nüchterne Titel „Religionsrecht“ vermuten lässt.

René Pahud de Mortanges u.a., Religionsrecht. Eine Einführung in das jüdische, christliche und islamische Recht. 2. Auflage (FVRR 23), Zürich 2018.

Informationsflyer zum Buch



Photo by Markus Spiske

Freiwilliges Engagement in einer digitalisierten Welt

Publikation

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft – und auch das freiwillige Engagement: Die digitale Kommunikation ermöglicht es Vereinen, Stiftungen und anderen Organisationen, viele Menschen zu erreichen und für ihre Arbeit zu begeistern. Online-Plattformen helfen dabei, Freiwillige zu gewinnen und finanzielle Unterstützung zu mobilisieren. Das Internet bietet einen zusätzlichen Raum für das freiwillige Engagement. Doch neben neuen Möglichkeiten bringt der digitale Wandel auch Herausforderungen und Fragen mit sich.

Die Stiftung Mercator Schweiz hat als Organisatorin der Jahrestagung 2018 des Netzwerks freiwillig.engagiert Diskussionen zu Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für das freiwillige Engagement angestossen. Um die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema weiterzuführen, hat die Stiftung die Publikation «Freiwilliges Engagement in einer digitalisierten Welt» herausgegeben. Die Publikation ist das erste Themenheft der Publikationsreihe «Digitalisierung und Gesellschaft», die in den kommenden Jahren die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Bereiche unserer Gesellschaft beleuchtet.



Der Kirchenbund wird 2020 zur Kirche

Aus dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) wird neu ab 2020 die «Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz» (EKS).

Die Abgeordneten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) haben an ihrer ausserordentlichen Versammlung vom 18. Dezember 2018 mit grosser Mehrheit eine neue Verfassung angenommen. Damit ist der Weg vom Dachverband zur Evangelisch-reformierten Kirche (EKS) geebnet. Mit der neuen Verfassung erhält die EKS den Auftrag «die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus durch Wort und Sakrament, Diakonie und Seelsorge, Erziehung und Bildung». Im Zentrum der Neustrukturierung stehen:

die Nationale Synode
Die heutige Abgeordnetenversammlung wird in eine nationale Synode umgewandelt und unterstreicht so den kirchlichen Charakter des Gremiums.

die Dreigliedrige Leitung
Neu wird die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz eine dreigliedrige Leitung haben: synodal (durch die nationale Synode, das oberste Organ), kollegial (durch den Rat) und personal (durch die Präsidentin, den Präsidenten der EKS). Dem Ratspräsidenten kommt neben der personalisierten, neu auch eine geistlich verstandene Führungsrolle zu. Das Amt des Ratspräsidenten wird aber nicht wie ursprünglich vorgesehen nur Pfarrerinnen und Pfarrern vorbehalten sein.

die Konferenz der Kirchenpräsidien
Die Konferenz der Kirchenpräsidien (KKP, Organ mit allen Präsidentinnen und Präsidenten der Mitgliedkir-chen) wird neu institutionalisiert und erhält eine beratende Funktion.

die Förderung der Gleichstellung
Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz fördert die Gleichstellung der Geschlechter und sorgt für eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter in den Gremien.

Die neue Verfassung tritt am 1. Januar 2020 in Kraft.



«Wir haben auch kirchenintern eine Scheu, über den Glauben zu sprechen»

Interview mit Daniel Kosch zum «Mission Manifest» auf kath.ch

Im Rahmen einer Tagung zum «Mission Manifest» (MM) hat Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ, zehn Anregungen zur Diskussion verfasst. Im Interview mit kath.ch erklärt er, wo das MM ihn herausfordert und in welchen Bereichen es vertieft werden müsste.

Zum Interview auf kath.ch →